[Autorenmesse] ~ Einmal und nie wieder?

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Puh, wo fange ich da am besten an? Es war die erste Messe dieser Art. Natürlich habe ich mich unglaublich auf dieses Event gefreut und daraufhin gefiebert. Wir haben ein Treffen der #Schreibnächtler organisiert und sind voller Erwartungen nach Frankfurt gefahren. Zu allererst durften wir die Veranstaltung innerhalb der Uni aber erst einmal suchen und nachdem wir nach über 20 Minuten (mit der Beschilderung hat es ziemlich gehapert, bzw. war sie gar nicht vorhanden gewesen) endlich die „Messe“ erreicht haben, entdeckten wir auch bereits die ersten #Schreibnächtler vor der Eingangstüre.

„Huhu Angie, Laura!“ – keine Reaktion…“Hydra!“ – alle drehen sich um 😉
Wenn Namen nicht funktionieren, greift man eben auf die Nicknames zurück 😀

Gemeinsam stürmten wir also das Gebäude und fanden uns dann in einem Stockwerk wieder, auf dem 5-10 kleine Klapptische aufgestellt worden waren und Türen zu den Hörsälen und Seminarräumen abgingen. Ein Stockwerk darüber war dasselbe Bild zu sehen. Ein ziemlich ernüchternder erster Eindruck, für den man 44 Euro gezahlt hat. Da wir den ersten Vortrag verpasst haben, gingen wir sogleich in den von Dr. Veit Etzold: mit „Der Bestseller Code – Mit gutem Storytelling nachhaltig begeistern“ Zuerst begann Herr Etzold von seiner Hochzeit zu erzählen, und wie er seine Frau kennengelernt hat, nach ca. 20 Minuten wollte er eine kurze Pause machen und dann das erste Kapitel seines Buches vorlesen, mind. 20 Besucher stehen gleichzeitig auf und wollen den Hörsaal verlassen. Er wartet einen Moment, um anscheinend nicht die Fassung zu verlieren, und meint nur: „Sie möchten das also nicht hören?“ Ein Besucher wendet sich ihm zu und meinte: „Wir sind hier um etwas über Storytelling zu erfahren.“ Ich habe den Saal anschließend ziemlich zügig verlassen, da er nicht wirklich darauf eingegangen ist. Anscheinend dachte er, er soll etwas über sein Buch erzählen und uns davon nachhaltig begeistern, es war auf jeden Fall sehr am Thema vorbei und dadurch die erste Enttäuschung des Tages.

Danach ging es zu weiteren Workshops, allerdings ist mir außer Sprudelperlen (weil wir ja an einem Cocktail schreiben) und Sven nichts hängen geblieben. Kurz zu Sven, die Referentin wollte das wir gemeinsam eine spannende Geschichte erzählen und jeder einen Satz dazu formulierte.

„Ohne Sven komme ich nicht aus dem Bett.“ – mein Kommentar: „Wieso? Ist Sven die Kaffeemaschine?“

Eigentlich sollte es in den beiden Workshops um Eigenvermarktung gehen und der Angst vor dem weißen Blatt. Leider habe ich auch diese beiden Vorträge vorzeitig verlassen. Anschließend war ich in einem weiteren gewesen, bei dem ich dachte, vielleicht ist es da anders (in weiser Voraussicht habe ich mich allerdings in die Nähe der Tür gesetzt). Die Rednerin erzählte ein wenig und meinte dann, sie sei keine Autorin, aber sie sei jemand, die uns helfen wird unsere Träume zu verwirklichen. Ok, schön und gut, ich höre weiter zu. Nachdem sie allerdings meinte, ich solle mich darüber freuen mir die Zähne geputzt zu haben oder zum Beispiel in die Küche gegangen zu sein, obwohl ich da nicht hinwollte und letztendlich eine Wonderwoman-Powerpose einnehmen soll, habe ich auch dieses Seminar verlassen.

So langsam aber sicher verlor ich die Hoffnung und den Glauben an die Menschheit, wo war ich hier nur gelandet? Ich dachte mir, gut, vielleicht hattest du wirklich nur die falschen Seminare erwischt, aber auch von anderen hörte ich nicht viel Besseres. Da war z.B. ein Mensch, der einem etwas von Onlinemarketing erzählen wollte, aber natürlich wären Facebook und Twitter dafür irrelevant, allerdings Instagram, DAS muss man haben.

Dieser Mensch kann dann schon einmal nicht die ganzen Tweets lesen, die während der Messe gezwitschert wurden. Mehrmals kam es vor, dass ein Saal mit ziemlich vielen Schreibnächtlern besetzt war und diese fleißig in die Tasten hauten, jedoch in Twitter um ihren Unmut mitzuteilen, was ich sehr gut nachvollziehen kann, da es mir nicht anders ging.

Die Vorträge von Tanja Steinlechner von Schreibhain fand ich hingegen sehr gut, es war zwar nicht unbedingt etwas Neues, was man dabei mitnehmen konnte, aber was sie erzählt hatte, hatte Hand und Fuß. Es war keine Werbung für Buchcoaching, ein Buch oder die Romanschule. Es war einfach das, was ich erwartet hattet: Wissen weiterzugeben.

Auch der Vortrag von Kurt Doring – Wozu Buchgestaltung, war ebenfalls nicht schlecht, wobei auch hier vieles selbstverständlich war. Sein Satz: „Ein eBook wäre kein Buch“ kann ich hier jedenfalls jedoch nicht teilen. Natürlich kann man eBooks noch nicht so formatieren und schön gestalten wie ein gedrucktes Buch, also aus gestalterischer Sicht, kann ich es einen Funken weit verstehen, aber dann hört es auch schon auf. Die Diskussion über eBook und Printbuch gab es hier erst und wird sich wie es scheint, auch nicht so schnell legen, dennoch steht für mich fest. Buch ist Buch, egal ob gedruckt oder digital.

Letztendlich brachte Sascha Ballach den Vogel zum Abschuss. Mit seinem Vortrag: „Von der Idee zum fertigen Buch – Wie Sie nicht nur durchhalten, sondern fristgerecht gute Ergebnisse produzieren“, auch dieser Vortrag ging ziemlich am Thema vorbei und war auch insgesamt ein Widerspruch in sich.

Ich möchte meine Tweets von Twitter für sich sprechen lassen:

„Schreibt jeden Tag. Schreibt immer.“ – 5 Minutes later… „…& wenn ihr nur 2x in der Woche schreibt.“ – Ja was denn nun? xD

„Schreibt nicht euer ganzes Buch“ – Lieber ein halbes? In mundgerechten Häppchen xD?

Es gibt Programme die Wörter zählen können? Wow! Mein Leben hat endlich einen Sinn!

Plötzlich soll man doch wieder jeden Tag schreiben…was denn nun? xD

Willst du zu einem Verlag? – Dann schreib bloß nicht dein Buch zu Ende. Er möchte ja Mitspracherecht.

Und mit diesem Schlusswort beendete er seinen Vortrag und ich wusste wirklich nicht, ob ich in Tränen oder in schallendes Gelächter ausbrechen sollte. Am Ende verließ ich den Raum kommentarlos.

Was habe ich zu diesem Tag noch zu sagen? Es waren keine seriösen Verlage in Sicht, Referenten/Autoren, die sich nur selbst in Szene setzen wollten, aber von hilfreichen Tipps keine Spur, drei Stände konnten mich lediglich überzeugen, das war neobooks, Textehexe und Schreibfluss.

13346648_1150193675001591_8196267798741901838_n© Vivi von neobooks <3

Würde ich wieder hingehen? Nein. Warum? Weil ich finde, wenn man eine Messe aufbaut und dafür 44€ verlangt, dann sollte dementsprechend auch etwas geboten werden. Vernünftige Referenten gesucht werden und keine, die nur sich selbst oder ihr Coaching welches sie verkaufen möchten, in Szene setzen. Die Messe ist vielleicht etwas für Menschen, die eine Nacht zuvor entschieden haben Autor zu werden, weil sie dann sich sicherlich noch nie mit dem Thema „Schreiben“ beschäftigt haben, andererseits wäre das beinahe fahrlässig diese auf eine solche Veranstaltung zu schicken, da man den „Jungautoren“ letztendlich verrückte Flausen in den Kopf setzt, wie z.B. sein Buch nicht fertig zu schreiben oder Ähnliches.

Ich glaube, wer des Internets mächtig ist und ein wenig recherchiert, kann viel mehr Wissen und Antworten finden, als auf dieser Veranstaltung. Diese Worte klingen vermutlich sehr hart, aber ich wurde auch sehr enttäuscht.

Das einzig Positive an diesem Tag waren die Menschen von der Schreibnacht und auch neue Gesichter, die ich kennenlernen und wiedersehen durfte. <3 Das wunderbare gemeinsame Abendessen und die Gespräche, die darauf folgten, waren viel mehr Wert, viel aufschlussreicher und spannender, als auch nur ein einziger Vortrag. Deshalb danke für diese schönen Stunden, lustigen Gespräche und die Rettung des Tages 😀

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About Juliana

Lia, 25 Jahre Potterhead - Kreativkünstlerin - Buchstabentänzerin
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